Gerhard Koch: „Wir haben in diesem Jahr Einschaltquoten erzielt, die wir seit 2008 nicht mehr hatten“

Von Marlene Penn und Alexandra Polič

 

„Mein Name ist Gerhard Koch. Ich bin Chefredakteur im ORF-Landesstudio Steiermark. Das wisst ihr alle schon. Ich habe jetzt ein Interview mit den Damen Penn und Polič“, stellt sich Koch vor und sich damit auf das folgende Interview ein, bis der Radio-Musik-Chef die Runde unterbricht. Die Zuseher wüssten nicht, für welche Familie sie bei „Licht ins Dunkel“ spenden, es gab wohl keine ausreichende Vorstellung im Fernsehen. Koch drückt ihm einige CDs zur Verlosung in die Hand. Tür zu. Plötzlich Lärm. Tür wieder auf. „Jetzt ist es schon wieder passiert“, zitiert Koch Inspektor Brenner. Glücklicherweise ist nur etwas heruntergefallen. Tür wieder zu. „Ich bin da manchmal Chef im Flohzirkus“, bemerkt der Chefredakteur. Dann fangen wir an.

 

Penn/Polič: Wer ist im Dreieck Wähler-Politik-Medien bei einer Wahl der wichtigste Player?

Koch: Ich bin völlig davon überzeugt, die Politik.

Warum?

Weil sie die Entscheidungen trifft. Die Medien sind die Vermittler der Botschaften, nicht die echten Entscheider. Die Wähler treffen eine Entscheidung, aber sie können sie nur aus einer bestimmten Auswahl treffen. Also ist es schon die Politik.

(…)

Wie wichtig ist die Medienperformance für den Erfolg eines Politikers?

Enorm wichtig, vor allem wird die Selbstdarstellung in Radio und Fernsehen – und mittlerweile auch in den Sozialen Medien – immer wichtiger. Seit den 60er Jahren werden Wahlkämpfe im Fernsehen entschieden: Von John F. Kennedy bis Bruno Kreisky und darüber hinaus.

Auch wenn die Bedeutung des Fernsehens abnimmt und die des Internets zunimmt?

Das kann ich jetzt für das lokale Fernsehen in der Steiermark so nicht sagen – im Gegenteil, das Interesse nimmt wieder zu. Wir haben 2015 Einschaltquoten erzielt – sicherlich auch durch die Wahlen –, wie wir seit 2008 nicht mehr hatten. Also für die Steiermark gilt der Bedeutungs- und Reichweitenverlust des Fernsehens zum Glück nicht.

(…)

Ist der ORF das wichtigste Politikmedium in der Steiermark?

Nein, das würde ich so nie sagen. Wenn das andere über uns sagen: gerne. Aber das würde ich selbst so nicht formulieren.

Ist der ORF Meinungsführer in der Steiermark?

Elektronischer Meinungsführer sind wir sicher.

Wenn der ORF nicht das wichtigste politische Medium in der Steiermark ist, wer ist es dann?

Ich glaube, dass die „Kleine Zeitung“ ein wichtiger Player ist und mit etwas Abstand die „Steirerkrone“. Ich möchte jetzt aber nicht über die Konkurrenten oder über die Mitbewerber sprechen. Ich glaube, dass alle tagesaktuellen Medien für die Politik wichtig sind. Und der ORF spielt in diesem Konzert sicherlich mit. Ich will nicht über die anderen urteilen. Weil dann sagen unsere Marktbegleiter: „Was hast du über uns gesagt?“. Ich sage: „Elektronischer Marktführer sind wir.“

(…)

Haben Sie von der Vorverlegung vorher gewusst, oder waren Sie davon überrascht?

Die war relativ überraschend, ja. Begonnen hat es knapp vor den Gemeinderatswahlen mit der Pressekonferenz von Hermann Schützenhöfer, in der er angekündigt hat, er tritt wieder an. Und in einem Atemzug hat er gesagt, eine Vorverlegung der Landtagswahlen wäre gut. Das war dann das erste Zeichen, an dem man gemerkt hat: Die wollen sie wirklich vorverlegen. Also eine Vorinformation gab es nicht, es waren ja nicht einmal die eigenen Parteifunktionäre informiert.

(…)

Glauben Sie, dass die Berichterstattung objektiv und umfangreich genug war?

Also objektiv, davon gehe ich aus. Ob umfangreich, hat sicher auch damit zu tun, dass die Zeit im Vorfeld sehr knapp war. Also ich bin überzeugt, dass es im Rahmen dessen, was zeitlich möglich war, umfangreich war. Aber natürlich könnte man für die Politik-Junkies immer mehr machen. Man muss auf der anderen Seite aber auch bedenken: Es gibt Politikverdrossenheit. Wie viel an Politik kann man den Zuhörern „auf´s Auge drücken“? Wird es nicht zu viel? Ich glaube, objektiv auf jeden Fall. Ich glaube, in dieser Zeit war es ein vertretbarer Umfang, ein vertretbarer Kompromiss.

(…)

Wie schätzen Sie Ihre Konkurrenz bei der Wahlberichterstattung ein? Was macht die besser, was der ORF?

Ich möchte wirklich nicht sagen, was die Konkurrenz besser macht. Ich finde, dass sie sehr professionell war. Es sind auch die Privatsender im Zuge dieser Wahlen sehr engagiert aufgetreten, aber das machen sie schon seit einigen Jahren.

Die haben in den letzten Jahren, was Wahlkampfberichterstattung betrifft, stark aufgeholt.

Die haben sich professionalisiert, aber eines muss man auch sagen: Am Wahltag gibt es schon gravierende Unterschiede in der Publikumsakzeptanz, und die war für den ORF sehr gut. Also im gesamten Wahljahr, bis hin zur Wien-Wahl.

(…)

Welches Medium war während der Wahlkampfberichterstattung am wichtigsten?

Bei uns oder insgesamt?

Insgesamt.

(Überlegt) Sicherlich der ORF und die Tageszeitungen. In dieser Reihenfolge (lacht).

Das war jetzt eine politische Antwort.

Das war nicht schlecht, oder? (alle lachen) Ich weiß ja, bei euch muss man aufpassen (lacht). Nein, das glaube ich auch: Der ORF und die Tageszeitungen.

Wie wichtig war Ihr Medium?

Aufgrund der Einschaltquoten waren wir natürlich wichtig. Wenn die Einschaltquoten in so einer Zeit hinaufgehen, dann ist ein Informationsinteresse der Bevölkerung da. Und es war die Bereitschaft, sich mit Politik zu beschäftigen, bei dieser Wahl sehr hoch, auch beim Publikum.

Bemerkbar?

Bemerkbar, ja. Signifikant.

 

Morgen:

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