Walter Müller / Colette M. Schmidt: „Wir sind kein steirischer Schrebergarten“

Von Florian Born und Marion Kirbis

 

Graz, schneidender Wind, zwei JPR-Studenten auf dem Weg zum Redaktionsbüro des „Standard“. Fröstelnd vor dem Eingang, Klingel suchen, drücken, warten. Warten, frösteln. Plötzlich eine Stimme von oben: „Es ist offen!“ Walter Müller steckt den Kopf aus dem Fenster. „Kommt’s rauf!“

Gatter öffnen, zur Haustür, ins Stiegenhaus, hinauf, Tür finden, anklopfen, immer noch fröstelnd. Selig. Gleich ins Warme. Tür öffnet sich. Eintreten, begrüßen, Hände schütteln, Jacken ausziehen. Wundern. „Entschuldigt die Unordnung! Und die Kälte! Die Heizung ist ausgefallen.“

 

Born/Kirbis: Wer ist im Dreieck Wähler, Politik und Medien bei einer Wahl der wichtigste Player?

Schmidt: Ich glaube, das sind mittlerweile mehr denn je die Wähler.

Müller: Natürlich sind die Wähler besonders ausschlaggebend, aber man darf auch die Lobbys in der Politik und deren Interessen nicht vergessen. Die nehmen auch abseits von individuellen Wählerinteressen sehr stark auf politische Entscheidungen Einfluss.

Schmidt: Lobbys und Parteien infiltrieren gelegentlich aber auch Bürgerinitiativen, was für die Mediennutzer oft schwer zu unterscheiden ist.

Müller: Nicht zu vergessen sind die Kammern, die Interessensvertretungen, die natürlich auch wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.

(…)

Wie wichtig ist die Medienperformance für den Erfolg eines Politikers?

Müller: Ganz wesentlich.

Schmidt: Ja, klar. Auch wenn er noch so sympathisch ist und tolle Sachen macht, wenn er medial nicht vorkommt, dann ist es …

Müller: … nicht ganz ideal.

(…)

Waren Sie von der Vorverlegung der Landtagswahlen überrascht?

Schmidt: Ich eigentlich schon, ich habe immer mit dem Herbsttermin gerechnet.

Müller: Ich habe mit der Vorverlegung gerechnet.

Schmidt: Vor allem hat mich der Mai-Termin überrascht. Wer weiß, wie das sonst ausgegangen wäre, wenn die Wahlen mitten in der Flüchtlingskrise stattgefunden hätten.

Haben Sie im Vorfeld von der Vorverlegung gewusst?

Schmidt: Ich glaube, sie haben das selbst noch nicht auspaktiert gehabt. Die haben sich wahrscheinlich auch Umfrageergebnisse angeschaut und überlegt, wann es am gescheitesten ist. Ich glaube, die haben das auch nicht so viel früher gewusst.

Müller: Sie wollten damit wahrscheinlich auch die beginnende Flüchtlingsgeschichte abfangen.

Schmidt: Ja. Und dann war eventuell auch wichtig, vor Wien zu wählen, damit sie nicht mitgerissen werden. Weil man sich ja von Strache viel mehr erwartet hat.

(…)

Welches Medium ist ihrer Meinung nach bei der Wahlkampfberichterstattung am einflussreichsten oder am wichtigsten gewesen?

Müller: Die „Kleine Zeitung“.

Schmidt: Ja, auf jeden Fall. Die hat so viele Leute, die ist mit den Regionalbüros flächendeckend vertreten. Die ist einfach gut aufgestellt. Wenn man sich nur die personellen Ressourcen anschaut, dann ist das schon ziemlich klar.

Und im Vergleich dazu Ihr Medium?

Schmidt: Bisschen weniger (lacht).

Müller: Ich würde schon sagen, dass wir auch nicht unwichtig sind, aber das ist schwer messbar. Anders eben.

Schmidt: Bei uns läuft es eben über den Bund.

Müller: Aber atmosphärisch haben wir sicher Einfluss.

Morgen:

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