Hubert Patterer: „Das romantische Gegenmodell zu den Zuständen in Wien ist jetzt weg“

Von Camilla Annabith und Katharina Siuka

 

Der Interviewtermin muss um eine halbe Stunde verschoben werden: Hubert Patterer hat viel zu tun. Während es im Newsroom der „Kleine Zeitung“ vergleichsweise ruhig ist, herrscht im Büro des Chefredakteurs Hochbetrieb. Die leeren Kaffeetassen des vorherigen Termins weggeräumt und kurz durchgelüftet, nimmt Patterer auf dem schwarzen Ledersofa Platz. Und nimmt sich trotz eines vollen Terminkalenders Zeit. „Es ist gut, über solche Themen nachzudenken.“

 

Annabith/Siuka: Wer ist bei einer Wahl im Dreieck Wählerschaft, Parteien und Medien der wichtigste Player?

Patterer: Die wichtigste Instanz ist der Wähler, der Souverän, so wie es in der Verfassung festgeschrieben ist. Die Medien haben – wie der Name schon sagt – eine Mittlerfunktion zwischen der Sphäre der Macht und den Stimmbürgern.

(…)

Wie viel Einfluss haben Medien im Allgemeinen und die „Kleine Zeitung“ im Besonderen auf die Landespolitik?

Ich denke schon, dass wir durch die dominante Stellung in diesem Bundesland einen großen Einfluss haben und natürlich auch ein wichtiger Faktor sind. Es wäre sinnlos und nicht sehr korrekt, das zu leugnen. Umso größer ist die Verantwortung. Aber wir haben eine sehr wache und kritische Leserschaft. Sie ist unsere strengste Erziehungs- und Kontrollinstanz. Wenn die Leser das Gefühl haben, dass wir bei einem Thema die Balance von Nähe und Distanz oder die Äquidistanz verletzten, kriegen wir das reflexartig zurückgespiegelt. Dann besprechen wir das umgehend in den Redaktionskonferenzen.

(…)

Wie überraschend kam die Vorverlegung der Landtagswahlen?

Sie kam für uns schon sehr überraschend. Sie war ursprünglich für Herbst geplant, und wir mussten bei der Urlaubsplanung und bei der internen Planung einiges umstellen.

Haben Sie im Vorfeld von der Verlegung erfahren?

Die Vorverlegung war ein Coup, den Hermann Schützenhöfer bekanntgeben und politisch ausspielen durfte. Das hatten Voves und er so vereinbart. Voves ließ Schützenhöfer den Vortritt, weil er zuvor über Monate bemüht war, seinen langjährigen Kopiloten an Bord zu bekommen. Schützenhöfer konnte auf diese Art dokumentieren und signalisieren, dass das Gesetz des Handelns nicht nur bei Voves, sondern auch bei ihm liegt. Dass Voves später nicht mehr im Cockpit sitzen würde und der Kopilot die Führungsrolle einnehmen würde, das war zum damaligen Zeitpunkt überhaupt noch nicht absehbar.

(…)

Welches Medium war während der Wahlkampfberichterstattung auf Bundeslandebene am wichtigsten – Radio, TV oder Zeitung?

In dieser Reihenfolge: Zeitung, TV, Radio.

 

Morgen:

Roland Reischl: „Der Wahlkampf hat nicht stattgefunden“

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