Roland Reischl: „Der Wahlkampf hat nicht stattgefunden“

Von Eva Wallinger und Jacqueline Winkler

 

Auch für die „Woche“ ging mit Ende Dezember 2015 ein, politisch gesehen, aufregendes Jahr zu Ende. In seinem Büro im „Styria Tower“ in Graz spricht Roland Reischl über die Vermittlung von Politik an die Leser, die Wahlkämpfe 2015 und die Wichtigkeit von „Facebook“ und Co.

 

Wallinger/Winkler: Wer ist im Dreieck Wählerschaft, Politik und Medien bei einer Wahl der wichtigste Player?

Reischl: Da muss man jetzt sagen, der Wähler. (lacht) Ja, ist er sicher, aber für die Politikberichterstattung sind Politiker und Pressesprecher wichtige Partner. Natürlich versucht man, das so wählerfreundlich, sprich so leserfreundlich wie möglich aufzubereiten.

(…)

Wie wichtig ist die Medienperformance für den Erfolg eines Politikers?

Da muss ich gegenfragen, was verstehen Sie unter Medienperformance?

Das Auftreten in der Öffentlichkeit, die Kommunikation mit der Presse …

Das ist deswegen für mich so spannend, weil sich das Bild so grundlegend verändert hat.  Als ich in den 90er Jahren Pressesprecher war, waren ein schöner Beitrag in „Steiermark heute“ und ein lässiges Interview in der „Kleinen Zeitung“ gute PR. Das reicht heute nicht mehr. Zu einer guten PR-Performance gehört heute der Umgang mit allen Medien, vor allem auch mit den digitalen, und zwar möglichst authentisch und möglichst zeitnah. Da hat sich sehr viel verändert. Also so gesehen: Medienperformance ist extrem wichtig! Auch in der Ausrichtung der Ressourcen, auch was Bürgerservice betrifft, ob auf Websites zum Beispiel Luftgütedaten oder Spitalsdaten sind, ob man Pflegeeinrichtungen findet.

Kann so etwas auch für den Aufstieg bzw. den  Abstieg verantwortlich sein?

Ich befürchte, ja, ich glaube, ja. Da gilt der Eingangssatz wieder: Ich glaube, dass Medien Trends wirklich nur verstärken können. Aber die Medienperformance kann schon einen Karriereknick verursachen. Und heute passieren Auf- und Abstieg wahrscheinlich schneller als vor zwanzig Jahren. Wobei die Politik schon ziemlich resistent gegen jede Art von Angriff ist. Das ist fast schon eine Qualität für sich, das in der Form so auszusitzen.

(…)

Waren Sie von der Vorverlegung der Landtagswahlen überrascht?

Ja.

Es hat Ihnen also niemand einen Tipp gegeben?

Na ja, ganz knapp davor haben sich die Anzeichen verdichtet, aber selbst da waren wir alle noch der Meinung, dass das Ende Juni sein wird. Die beiden „alten Herren“ haben uns dann nochmals überrascht. Ich habe eine Woche vor der Bekanntgabe gewusst, dass vor dem Sommer gewählt wird. Mit Mai – und wer etwas anderes behauptet, lügt – haben sie uns alle noch einmal überrascht.

(…)

Welches Medium  war im Wahlkampf in der Berichterstattung führend?

Ich glaube, die „Kleine Zeitung“ und überregional der ORF.

Und auf Gemeindeebene? Würden sie die „Woche“ dazu zählen?

Auf Gemeindeebene gehören wir definitiv dazu, ja. Da würde ich mich in diesem Kreis auf alle Fälle einreihen. Ich glaube, dass da der ORF nicht so relevant war, weil er nicht so in die Tiefe gegangen ist. Bei der Gemeindepolitik würde ich uns sogar vor die „Kleine Zeitung“ reihen, weil niemand in so einer Dichte, in so einer Tiefe, in so einer Dimension über Gemeindepolitik berichten kann wie wir.

Morgen:

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