Detlev Eisel-Eiselsberg: „Eine Position der Mitte ist ja auch nicht so spektakulär und spannend“

Von Christoph Madl und Gunnar Zlöbl

 

Am Karmeliterplatz herrscht in den Wintermonaten reger Betrieb am Eislaufplatz der Stadt Graz. Vor zwei Jahren wäre ein solches Sportangebot in den Verantwortungsbereich des damaligen Sportstadtrates Detlev Eisel-Eiselsberg gefallen. Heute ist er als Landesgeschäftsführer der Steirischen Volkspartei und als deren Wahlkampfleiter für Gewinne und Verluste bei Wahlen mitverantwortlich.

 

Madl/Zlöbl: Wieviel Macht oder Einfluss hat man als Wahlkampfleiter?

Eisel-Eiselsberg: Die Gestaltungsmöglichkeiten und die Einflussmöglichkeiten werden von Partei zu Partei unterschiedlich sein. Mit Hermann Schützenhöfer war das wirklich eine sehr, sehr spannende Zeit sowohl in der Vorbereitung als auch in der Umsetzung des Wahlkampfs. Wir haben sehr gut harmoniert, und es ist eigentlich nichts passiert, was wir nicht zumindest angedacht oder eingeplant hätten, mit Ausnahme des Finales. Man hat neben dem Landesparteiobmann und einigen wenigen Vertrauten, und das ist wirklich ein sehr ein kleiner Kreis, als Geschäftsführer der Steirischen Volkspartei sehr, sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten, aber natürlich auch die Verantwortung, wenn das eine oder andere nicht so läuft, wie man es sich vorstellt.

Hat man als Landesgeschäftsführer ein gewisses Durchgriffsrecht?

Wenn es um den Landtagswahlkampf geht und die Linie mit dem Landesparteiobmann abgeklärt ist, also Strategie und Kampagne feststehen, dann gibt es daran nicht mehr sehr viel zu rütteln. Schon gar nicht, wenn man wie heuer so wenig Zeit hat. Da gibt es nicht viel Abweichung von der Linie. Ich kann natürlich keinen ehrenamtlichen Funktionär zu irgendetwas zwingen. Ich kann nur versuchen, ihn zu überzeugen und ihn bitten, dieses oder jenes zu tun. Bei den Bezirksgeschäftsstellen sind es hauptamtliche Mitarbeiter, da kann ich den Wünschen und den Ideen schon einen gewissen Nachdruck verleihen.

Inwieweit spielt da auch ein gewisser Druck mit? Speziell jetzt nach den eher schlechten Ergebnissen der Gemeinderats- und Landtagswahlen?

Ich würde das differenzieren: Die Gemeinderatswahlen sind gar nicht so schlecht ausgegangen, auch wenn wir an die vier Prozentpunkte verloren haben, allerdings von einem relativ hohen Niveau ausgehend. Wir haben den historisch größten Abstand zur zweitstärksten Partei, der SPÖ, und wir stellen den historisch höchsten Anteil an Bürgermeistern. Das soll die vier Minuspunkte nicht schönreden, aber wenn man sieht, was in den letzten Jahren an Reformen umgesetzt wurde, Stichwort Gemeindezusammenlegungen, dann war das eine verkraftbare Niederlage. Wir waren auch wirklich zufrieden, vor allem nach dem, was uns für diese Gemeinderatswahlen prophezeit wurde. Bei Gemeinderatswahlen steht anders als bei Landtagswahlen immer das Team vor Ort, mit dem Spitzenkandidaten vor Ort, im Fokus. Da können unsere Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten sehr viel gut, aber auch viel weniger gut machen. Sie haben das offensichtlich aber überwiegend gut gemacht.

Bei den Landtagswahlen gibt es einen Spitzenkandidaten mit einem Team. Ganz vorne steht immer die Nummer eins, es gibt eine Strategie, es gibt eine Kampagne, und es gibt Ideen dahinter. Dadurch ist die Verantwortung der Landespartei eine doch größere.

Bei den Gemeinderatswahlen entwickeln wir eine Kampagne und eine Strategie. Die legen wir den Gemeinden ans Herz und unterstützen sie bei der Umsetzung. Wenn sie es ganz anders machen wollen, können sie das machen, das ist ihre Verantwortung. Bei den Landtagswahlen setzten wir um, was wir uns überlegt haben, und – naheliegend – wenn das nicht so gut ist, ist es auch für uns schlecht.

(…)

Wie viele Personen umfasste der innere Zirkel bei den Landtagswahlen?

Fünf bis sechs würde ich sagen.

Gab es spezielle Zielgruppen?

Prinzipiell wollen wir als Volkspartei natürlich alle potentiellen Wählerinnen und Wähler ansprechen. Aber klar ist auch, dass gerade die Volkspartei in einigen Bereichen besonders viel einbringen kann. Das (betont) ist der Wirtschaftsbereich, das (betont) ist der Bereich der Landwirtschaft, der Bauern und Bäuerinnen. Ich bin auch davon überzeugt, dass wir eine sehr, sehr gute Jugendarbeit haben. Prinzipiell wollen wir alle ansprechen, obgleich klar ist, dass wir nicht alle mit unseren Botschaften erreichen können (betont), weil wir da und dort doch auf ideologische Grenzen stoßen. Was wir als Partei der Mitte denken, wird dem linken Rand nicht passen und dem rechten Rand auch nicht. Wir sind in der Mitte, und das macht es manchmal auch schwerer, die Botschaften zu vermitteln. Weil alles, was polarisiert, wird wahrgenommen. Eine Position der Mitte ist ja auch nicht so spektakulär und spannend, sie ist auch schwieriger zu kommunizieren.

(…)

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Gibt es neue Kommunikationsinhalte, Kommunikationsformen?

Wir versuchen, unsere Kommunikation zielgerichteter aufzubauen, aber der große Wurf ist es noch nicht. Unser Chef hat im Juni den Auftrag erteilt, alle Bereiche unserer Arbeit zu durchleuchten. Das ist ein umfangreiches Arbeitspaket. Einiges davon ist in Umsetzung und wird schon ab nächstem Jahr hoffentlich positiv spürbar sein. Anderes wird noch vertiefte Diskussionen erfordern, zum Beispiel unsere Struktur und Organisation. Wir haben uns einiges vorgenommen, auch im Hinblick darauf, dass die Zeit vor einer Wahl unmittelbar nach einer Wahl beginnt. Am Wahlergebnis ist – das behaupte ich – wenig hausgemacht, aber ein Teil ist auch hausgemacht, und das müssen wir zukünftig besser machen.

Zum Abschluss noch eine etwas augenzwinkernde Frage: Wenn Sie Pinocchio wären, wie lange wäre ihre Nase?

Ich glaube, meine Nase passt genau so, wie sie ist!

Morgen:

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