Christian Faul: „Kaltenegger war der Meinung, dass nur er allein die Wahl gewinnen kann“

Von Julia Leibetseder und Marina Pichler

 

Im Café Sorger am Grazer Jakominiplatz ist es laut. Das klirrende Geschirr der Frühstücksgäste ertönt im Hintergrund. Christian Faul betritt kurz nach acht Uhr morgens das Kaffeehaus. Der 65-jährige Politiker und Wahlkampfmanager, der besonders dafür bekannt ist, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen, freut sich sichtlich über den Termin. Mit breitem Grinsen nähert er sich dem Tisch. Mit uns redet er über die Landtagswahlen, seine Karriere und die Herausforderungen, die diese bis jetzt mit sich brachten.

 

Leibetseder/Pichler: Wie wichtig beziehungsweise wie mächtig ist man als Wahlkampfleiter?

Faul: „Ohne Geld ka Musi“, sage ich einmal. Mein Einfluss war nur so groß, wie ich über Geld verfügen konnte. Die Funktion des Wahlkampfleiters besteht darin, die Wahlkampfplattformen durchzuorganisieren. Es gibt einen Organisationsbereich, der Richtlinien vorgibt, und ich war für das Budget verantwortlich. Insofern ist Wahlkampfleiter eine Managerfunktion. Man braucht ein Gefühl dafür: Was brauchen wir? Was verlangen die Leute?

Sind sie eigentlich sehr unter Druck gestanden?

Wahlkampf bedeutet Tag und Nacht anwesend und erreichbar zu sein. Und all die organisatorischen Vielfältigkeiten musst du erst einmal bewältigen Es setzt sehr viel Organisationstalent voraus und gute Mitarbeiter. Was wir gemacht haben, hat geklappt.

(…)

Aus wie vielen Personen bestand der inner circle der Kampagne?

Im Büro waren wir mit den freiwilligen Helfern zehn Personen. Die Bundesparteiorganisation hat bei redaktionellen Arbeiten, bei der Abrechnung, bei der Planung und bei Ausschreibungen geholfen. Das steirische Team hat sich somit auf die Veranstaltungen konzentrieren können.

(…)

Nach der Wahl ist vor der Wahl, ist ein bekannter Slogan …

Wir haben zwar einen Landesobmann, aber er ist Obmann ohne Gefolge. Wir haben das Büro in Graz aufgegeben, die Landesorganisation der Steiermark besteht nur mehr auf dem Papier. Es gibt schon monatelang keine Information, es gibt keine Betreuung der Leute. Aber es gibt auch keinen Rückzug des Spitzenkandidaten, weil er einen unbefristeten Vertrag mit dem „Team Stronach“ hat und daran ganz gut verdient. Ich glaube nicht mehr an eine Neugründung in der Form, wie er sich das vorstellt, dass ihm da Leute zulaufen. Meiner Meinung nach ist in der Steiermark, so wie es jetzt ist, das Ende besiegelt, und das nicht nur hier, sondern auch in Salzburg, in Wien, in Niederösterreich, in Oberösterreich, in Tirol und in Vorarlberg. Ob sich der Bund und die Bundespolitik in die nächste Wahl retten können, wird sehr davon abhängen, wie sie sich bundespolitisch in den Kernfragen artikulieren können. Nach dem Übertritt von Kathrin Nachbaur zur ÖVP ist für den Frank als Geldgeber die letzte ideologische Bastion gefallen. Wenn es der Bundespartei gelingt, ein Thema aufzuarbeiten, das die Österreicher wirklich interessiert, und wenn sich der Frank auch wieder miteinbringt, dann könnte es funktionieren. In den Umfragen bewertet uns nur mehr „Gallup“ mit einem Prozent. Bei den anderen kommen wir gar nicht mehr vor.

Das sagt schon einiges aus.

Ja, das sagt einiges.

(…)

Wenn Sie Pinocchio wären, wie lang wäre Ihre Nase?

(Lacht) Wenn die Leute wissen würden, was wirklich wahr ist, dann würde es den größten Aufstand geben.

 

Morgen:

Georg Fuchs / Claudia Klimt-Weithaler: „Unsere Partei versucht, Weltanschauung und Haltung zu transportieren“

Von Elisabeth Pranter und Beatrice Rümmele

 

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