Georg Fuchs / Claudia Klimt-Weithaler: „Unsere Partei versucht, Weltanschauung und Haltung zu transportieren“

Von Elisabeth Pranter und Beatrice Rümmele

 

Im zweiten Stock des Landhauses erwartet uns bereits Georg Fuchs, Pressesprecher der steirischen KPÖ. Der gebürtige Mürztaler begrüßt uns freundlich und teilt uns mit, dass Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler gleich zu uns stoßen wird. Für das Interview gehen wir in ein Besprechungszimmer, in dem Fuchs uns Kaffee und Kekse anbietet. Nachdem wir Platz genommen haben, bemerken wir, dass hinter Fuchs ein Gemälde an der Wand hängt: Es heißt „Pyramidenspiel“. Darauf wird die Gesellschaft dargestellt – die bildlich von Arbeitern getragen wird. Kurz darauf trifft Claudia Klimt-Weithaler ein. Sie nimmt sich noch schnell eine Tasse Kaffee und setzt sich zu uns. Wir beginnen mit dem Interview.

 

Prantner/Rümmele: Wann und wie sind Sie Wahlkampfmanager geworden?

Fuchs: Wir haben als Team gearbeitet, deshalb machen wir auch dieses Interview zu zweit. Ich war 2010 schon im Wahlkampfteam, und das war so ziemlich gleich wie 2015, auch weil wir nicht die Zeit gehabt haben, große personelle Änderungen vorzunehmen.

Klimt-Weithaler: Uns es geht vor allem auch darum, ein kleines Team zu haben, mit dem man sehr schnell Entscheidungen treffen kann. Im Wahlkampf passieren sehr viele Dinge, die sehr schnell entschieden werden müssen, und da kann man nicht immer die gesamte Parteileitung befragen. Das heißt, man muss ein kleines Team und kurze Wege haben, sich schnell erreichen und vor allem auch in der Zusammenarbeit Erfahrung haben. Es ist klar, dass Georg Fuchs, der ja ohnehin mit der Öffentlichkeitsarbeit im Landtagsklub sehr viel zu tun hat, auch dabei ist.

Sind im Team alle gleichgestellt oder gibt es einen Leiter?

Fuchs: Offiziell gibt es einen Leiter, der Ansprechperson ist, der den Überblick über Wahlkampfauftritte, Termine und Plakatierung hat. Im Prinzip hat jeder seine Zuständigkeiten, der Wahlkampfleiter ist dann auch der, der sagt: „Bei diesem Thema müssen Sie mit der Frau Pacher reden.“ Aber wir haben keinen Übermanager, der quasi im Alleingang alle Entscheidungen trifft. Das hat bei uns keine Tradition und wäre, glaube ich, auch nicht gut.

(…)

Wie sehr stehen Sie in Ihren Positionen unter Druck?

Fuchs: Wie ist das gemeint? (Klimt-Weithaler lacht) Politik ist schon ein stressiges Arbeitsfeld, weil man oft nicht viel Zeit hat. Man weiß, man müsste sich eigentlich sehr gut vorbereiten, man kann aber nur das Wichtigste machen, weil einfach in zwei oder drei Tagen irgendetwas fertig sein sollte oder man oft gleich eine Stellungnahme abgeben muss. Es kommt zum Beispiel eine Meldung über die APA, auf die man reagieren muss, aber man hat keine Zeit, sich mit anderen zu beraten. Von da her ist der Druck oft schon sehr groß, weil man will ja dann auch keinen Blödsinn sagen. Und es ist natürlich auch ein sehr konkurrenzintensives Feld, weil alle Parteien irgendwie das beste oder das schlauste Statement zu einem Thema abgeben wollen. Es ist eine permanente Konkurrenzsituation, und als kleinste Partei im Landtag haben wir natürlich auch die geringsten Mittel, was personelle Ressourcen und so anbelangt. Also der Druck ist schon recht groß, weil man will auch als kleine Partei in der Wahrnehmung nicht völlig untergehen.

Klimt-Weithaler: Geht mir gleich. Es ist sicher kein Job, den man entspannt macht, weil man auf gewisse Faktoren von außen eben immer reagieren muss. Bei mir kommt dazu, dass ich jetzt in der Öffentlichkeit stehe und sozusagen das Gesicht nach außen bin. Das heißt, es wird auch sehr genau geschaut, was sage ich, was mache ich. Je bekannter man wird, desto mehr wird man in der Öffentlichkeit auch wahrgenommen, was ja für die Partei auf der einen Seite auch gut ist. Auf der anderen Seite, wenn ich jetzt privat mit der Straßenbahn oder mit dem Bus irgendwohin fahre, passiert es häufig, dasemps mich irgendjemand anredet und sagt: „Sie, was ich Sie schon lange einmal fragen wollte, was sagen Sie eigentlich …?“. Das ist nicht immer lustig, weil ich bin ja nicht 24 Stunden am Tag die Parteifrau. Das ist zum Beispiel etwas, das meine Töchter total nervt. Das gehört dazu.

Trotz dieses Drucks und dieser doch sehr intensiven Zeit gibt es für mich doch einen relativen Spielraum zu sagen: „Zu dieser Veranstaltung gehe ich jetzt hin, das halte ich für wichtig, oder zu dieser Veranstaltung gehe ich nicht hin.“ Wir erhalten Einladungen zu Veranstaltungen, Tagungen, Verleihungen usw., denen wir gar nicht nachkommen können. Das heißt, man muss natürlich auch überlegen, wohin man geht und was man sich spart. Und es ist Parteilinie, dass wir diese Events, bei denen es nur darum geht, das Gesicht in die Kamera zu halten, prinzipiell auslassen.

(…)

Gab es unter den Wählern spezielle Zielgruppen?

Fuchs: Unsere Partei versucht Weltanschauung und Haltung zu transportieren. Wir versuchen die sozial Benachteiligten, Leute, denen es nicht so gut geht, vielleicht solche, die man als Modernisierungsverlierer abstempelt, zu vertreten. Das heißt nicht, dass uns die anderen egal sind. Leute wie den Herr Mateschitz oder den Herr Stronach, die auch politisch umgarnt werden, brauchen wir nicht vertreten, die können sich ohnedies helfen. Die brauchen uns nicht, wir fühlen uns anderen Zielgruppen verpflichtet.

Klimt-Weithaler: Den Jugendwahlkampf legten wir in die Hände unserer Jugendorganisationen. Wir wissen, die arbeiten sowieso mit jungen Menschen, und natürlich braucht es dort auch andere Mittel und Dinge, wie man Leute erreicht. Es ist auch wichtig, dass die Jungen auch kandidieren, die diese Vertretung auch ernsthaft übernehmen, wenn sie in den Gremien sitzen. Das ist uns in den letzten Jahren auch ganz gut gelungen, vor allem im Grazer Gemeinderat sitzen zwei sehr junge Kandidaten, Kandidatinnen, die dort auch die Interessen jüngerer Menschen sehr gut vertreten.

Aber hundert Prozent werden wir als Kommunistische Partei sowieso nie ansprechen können. Also müssen wir uns auf bestimmte Zielgruppen konzentrieren.

Fuchs: Genau. Aus einer historischen Tradition heraus zielt unsere Politik darauf ab, die Rahmenbedingungen des Lebens zu erleichtern. Einerseits sozial Benachteiligte und andererseits Leute, die zwar normal arbeiten, aber denen es trotzdem immer schlechter geht, die ein immer kleineres Stück von dem Kuchen abkriegen, den ja alle gemeinsam erwirtschaften. Es geht da um Verteilungsfragen, wer erwirtschaftet eigentlich das volkswirtschaftliche Vermögen, und wer bekommt wieviel davon ab. Es lässt sich auch empirisch belegen, dass das immer mehr zu Ungunsten von jenen ausfällt, die eigentlich den Mehrwert durch Arbeit schaffen.

Aus wie vielen Personen bestand der inner circle der Kampagne?

Klimt-Weithaler: Also jetzt von der Wahlkampfleitung her, meinen Sie? Vier. Wir zwei, Renate Pacher und Philipp Funovits.

(…)

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Gibt es seit den Landtagswahlen neue oder veränderte Kommunikationsformen Ihrer Partei?

(Denkt kurz nach) Nein! (lacht). Wir haben nach dem Wahltag sicher einmal alle ein bisschen geschluckt, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass wir so knapp am Rausflug vorbeischrammen. Wir haben zwar gewusst, es wird schwerer, auch weil nur mehr 48 statt 56 Mandate zu vergeben waren. Wir haben einmal ein bisschen eine Pause zum Schlucken und Verdauen gebraucht und haben dann auch ausführlich darüber geredet, was wir machen sollen und können, aber in der Kommunikation liegen die Probleme nicht, würde ich sagen.

Wir müssen sicher überlegen, wie wir die Leute, für die wir eigentlich Politik machen, besser ansprechen können. Da haben wir sicher Defizite. Aber dass wir jetzt drei Prozent mehr Botschaften über „Twitter“ rausschießen, und dann wird alles besser, so simpel ist es nicht. Insgesamt, wenn man Kommunikation jetzt weiter fasst und nicht nur die interne Kommunikation meint, sollten wir vielleicht eine ein bisschen weniger abstrakte Sprache wählen, wir sollten auch Leute ansprechen, die vielleicht (seufzt und zögert kurz) – sagen wir – für einfach formulierte Sachen und Botschaften durchaus empfänglich sind. Das ist die Selbstkritik. Wir müssen uns mehr daran orientieren, wie die Leute auf der Straße reden, und nicht, wie wir parteiintern politische Diskussionen führen. Das ist uns, glaube ich, in Graz immer ein bisschen besser gelungen. Sprachlich sind wir vielleicht ein bisschen zu weit weg vom Alltag.

Wenn Sie Pinocchio wären, wir lange wären Ihre Nasen?

(Überlegt kurz) Ich glaube, nicht sehr lange. Also (kurze Pause) das ist der Vorteil einer Oppositionspartei. Wir müssen ja nicht den Leuten irgendetwas vorerzählen, das ist vielleicht der Unterschied. (längere Pause) Wie lange wäre die Nase? Vielleicht einen Millimeter (lacht) würde sie schon wachsen.

Morgen:

Manuel Güll: „Wahlkämpfe werden auf der Straße gewonnen“

Von Sara Griesbacher und Lisa Klaffinger

 

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