Wolfgang Raback: „Die Hausbesuche ergaben eine sichtbare Wirksamkeit im Wahlergebnis“

Von Benjamin Barteder und Anna Drusko

 

Das neue Quartier am Kaiser-Franz-Josef-Kai, in dem uns der 52-jährige Landesgeschäftsführer der steirischen „Grünen“ Wolfgang Raback zum Interview empfängt, ist noch nicht lange das Zuhause der Landespartei, aber alle scheinen sich hier wohlzufühlen. Das Brummen der Kaffeemaschine, das Lachen im Aufenthaltsraum und Gespräche in den umliegenden Büros sind Zeichen von reger Betriebsamkeit. Nicht ohne Grund: Für die steirischen „Grünen“ gab es mit zwei Wahlkämpfen im Jahr 2015 schließlich einiges zu tun. Wie schon bei den Nationalratswahlen zeigte sich aber auch: Sie gewinnen zwar stetig dazu, für die angestrebte Regierungsbeteiligung reicht es aber nicht. Es gilt also: Weitermachen und aus der Vergangenheit lernen. Raback spielt dabei als Landesgeschäftsführer eine wichtige Rolle. Ein Gespräch über die Partei, den Wahlkampf und sein Selbstverständnis als Wahlkampfmanager.

 

Barteder/Drusko: Wieviel Gewicht hat die Stimme des Wahlkampfleiters oder des Landesgeschäftsführers innerhalb der „Grünen“?

Raback: Das hängt vom jeweiligen Gremium ab. Im Landtagsklub bin ich einer von vier, im Landesvorstand einer von zehn, im erweiterten Landesvorstand einer von nicht ganz dreißig und in der Landesversammlung, je nachdem, wie viele kommen, einer von 120 bis 180Ds verstehen wir unter Basisdemokratie. Natürlich hat man als Landesgeschäftsführer viel mehr Zeit als die Ehrenamtlichen und durch Vorbereitung von Unterlagen, Agenda-Setting usw. mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

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Inwiefern fühlen Sie sich in Ihrer Position unter Druck gesetzt?

Die wesentlichen Entscheidungen werden bei uns in größeren Gremien getroffen. Es kann nicht sein, dass da jemand dann kommt und sagt: „Der böse Raback hat jetzt das Plakat X entschieden, das ist total hässlich, und deswegen haben wir die Wahl nicht gewonnen.“ Meine Verantwortung war, dass die Plakate pünktlich hängen, dass wir im Wahlkampf sichtbar sind, dass die Anzeigen draußen sind, dass wir das Budget einhalten, dass Dinge, die wir angegangen sind, auch funktionieren. Dafür bin ich zu hundert Prozent verantwortlich – also ich mit meinem Team. Ich bin aber nicht alleine dafür verantwortlich, wenn ich als Teil einer sechsköpfigen Runde mitentschieden habe, diese oder jene Sujets zu nehmen. Ich bin auch nicht immer mit allem einverstanden, als Teil einer Gruppe muss man auch andere Mehrheiten akzeptieren. Ich kann mich danach nicht einfach hinstellen und sagen: „Ich war eh dagegen“, das wird man von mir nicht hören.

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Wie groß war der inner circle?

Sechs Personen. Diese haben die Wahlkampfstrategie und das Briefing für die Agentur erarbeitet, was natürlich im Landesvorstand reflektiert und abgestimmt wurde.

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Nach der Wahl ist vor der Wahl. Gibt es Mittel und Wege für eine neue Strategie, wie man etwa Wirtschaft an den Mann / die Frau bringt?

Einerseits gibt es die „Grüne Wirtschaft“, die sehr gute Arbeit leistet. Sie hat bei der letzten Wirtschaftskammerwahl deutlich dazugewonnen. Wir versuchen im Bereich Wirtschaft, jene mit einer ähnlichen Sicht auf Wirtschaftsthemen an einen Tisch zu versammeln. Wir versuchen uns über den „grünen“ Tellerrand hinaus Netzwerke aufzubauen. Niemand bekommt Kompetenz zugeschrieben, indem er sich hinstellt und sagt: „Ich bin kompetent.“ Kompetenz bekommst du nur, indem du es tust, indem du Arbeitsplätze schaffst. Das tust du, wenn du in einer Regierungsfunktion bist oder es nachweisen kannst oder indem man sich gemeinsam mit Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen tut.

Die Kommunikationswege nach der letzten Wahl bleiben die gleichen?

Ja. Wir arbeiten zurzeit österreichweit an einer Gesamtstrategie in Richtung 2018, und dadurch entsteht eigentlich schon jetzt die Strategie für 2020. Da spreche ich aber von einer Langzeitstrategie, wir wissen noch nicht, was wir in die Auslage stellen oder wie die Plakate aussehen werden. Es ist aber klar, in welchen Schwerpunkten wir ein stärkeres Profil erarbeiten möchten.

 

Morgen:

Wahlumfragen: Blick in die Kristallkugel?

Von Eva Zeglovits

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